Berufliche Aus- und Weiterbildung in Frankreich

Das französische Berufsbildungssystem ist ein komplexes System, in dem Lernenden jeweils unterschiedliche Wege offen stehen. Lernende können Qualifikationen sowohl vor Eintritt in den Arbeitsmarkt als auch während der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit erwerben. Bestimmte gesetzliche Regelungen erlauben darüber hinaus die Anerkennung von Vorkenntnissen (Valorisation des acquis de l’expérience).

 

Das Aus- und Weiterbildungssystem berücksichtigt somit die unterschiedlichen Lebenslagen, in denen sich Lernende befinden können, wenn sie sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden. Der französische Staat hat den erleichterten Zugang zum Berufsbildungssystem wiederholt als einen der Hauptfaktoren für das Erreichen des höchstmöglichen Beschäftigungsniveaus bezeichnet. In diesem Zusammenhang wurde ein transparenter "catalogue" vorhandener Qualifikationen erstellt und dieser wird regelmäßig aktualisiert. Der Großteil der im Rahmen der Berufsbildung erwerbbaren Qualifikationen ist im Nationalen Verzeichnis für Berufszertifizierung (National Register of Vocational Certification = RNCP) erfasst, wobei jede Qualifikation einer der fünf Ebenen zugeordnet ist, nach denen das Verzeichnis organisiert ist.


In den vergangenen Jahren betonte die EU in ihrem Bemühen um verbesserte Marktbedingungen und erhöhte berufliche Mobilität den Bedarf an verbesserter Transparenz und Vergleichbarkeit der Kompetenzen von Lernenden und Arbeitskräften. Aus diesem Grund hat die EU Transparenzinstrumente entwickelt, die sicherstellen, dass alle Mitgliedsstaaten Qualifikationen der Berufsbildung entlang eines achtstufigen Qualifikationsrahmens (EQR) zueinander in Bezug setzen. Dies geschieht u.a. durch das Orientieren an Lernergebnissen, durch die Entwicklung von Standards zur Qualitätssicherung (EQARF, EQAVET) und durch die Entwicklung einer einheitlichen Dokumentation von Kompetenzen von Lernenden/Berufstätigen (Europass).


Das französische Berufsbildungssystem befindet sich in einem kontinuierlichen Integrationsprozess dieser Transparenzinstrumente. Dabei werden InteressenvertreterInnen aus dem Bereich der Berufsbildung eingebunden, die diese Transparenzinstrumente im Rahmen von europäischen Partnerschaften und Studienprojekten testen und erproben. Der französische Staat selbst hat sich ganz dem europäischen Transparenzgedanken verschrieben, indem er bereits im Oktober 2010 seinen NQR-Zuordnungsbericht vorgelegt hat.

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