Lernergebnisse in der Praxis

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Die Anwendung des Lernergebnisansatzes wie er vom EQR, ECVET oder auch ESCO gefordert wird, wirft die Frage nach dem Einfluss auf und den Anforderungen an die Berufsbildungspraxis und daher an Lehrer, Trainer und Ausbilder bei Bildungsträgern, Schulen und in der Industrie auf. Im Großen und Ganzen gesehen muss die Einführung des Lernergebnisansatzes in den meisten Fällen als ein Wechsel von Lehr- und Trainingsparadigmen von der Input- zur Outputorientierung gesehen werden.

 

Die grundlegende Anforderung: das Beschreiben von Qualifikationen in Form von Lernergebnissen

 

Das bedeutet in erster Linie die Beschreibung von allen formalen Qualifikationen und Lernangeboten im Sinne von Lernergebnissen, die ein Lerner nach Abschluss des Lernprozesses erworben hat. Innerhalb des EQRs werden diese in Form von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen beschrieben. Berufsprofile, die dabei helfen, einen Beruf, Job oder eine Tätigkeit zu beschreiben, müssen anhand von Aktivitätsfeldern und/oder Arbeitsprozessen beschrieben werden. Curricula werden immer aus der Perspektive der Lernenden und nicht aus der der Lehrenden beschrieben. Nichtsdestotrotz beziehen sie sich auf Qualifikationen (einen Durchschnittslerner) und nicht auf einzelne Individuen.

 

Ein Wechsel im Denken innerhalb von Lehre und Training

 

Aber die Umsetzung des Lernergebnisansatzes ist kein formaler Prozess und bedeutet in erster Linie die Anpassung der Lehr- und Trainingspraxis an diese neuen Anforderungen. Bildungsangebote müssen explizit die Entwicklung der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen anstreben, wie sie in den entsprechenden Profilen beschrieben wurden und dürfen nicht auf dem Niveau von Wissen oder Fertigkeiten bleiben, wie es oft in Input-orientierten Systemen der Fall ist. Die Anwendung und die Übertragbarkeit der Fähigkeiten muss mit entsprechenden Lehrmethoden wie z.B. Simulationen, Training on the job, problembasiertes Lernen und Projektarbeitet gefördert werden, um das gewünschte Kompetenzniveau innerhalb formaler Lernumgebungen zu erreichen. Abhängig von der Lehr- und Trainingspraxis erfordert dies einen signifikanten Wechsel oder nur einen Wechsel der Perspektive.

 

Prüfungen mit Bezug auf die zuvor definierten Lernergebnisse

 

Ebenso wie Lehre und Training muss sich auch das Prüfungswesen klar auf die zuvor definierten Lernergebnisse beziehen. Auch hier sind alle Arten von Deskriptoren – Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen – mit einzubeziehen, wenn es darum geht, Prüfungsmethoden und Tests zu entwickeln. Es sollte vermieden werden, die Prüfungen innerhalb einer Lernergebnisorientierung ausschließlich auf Kenntnisse/ Wissen zu beziehen und Fertigkeiten und Kompetenzen außen vor zu lassen. Fertigkeiten und Kompetenzen erfordern oft die Anwendung spezieller Testsituationen. Auch hier hängt es von der Prüfungspraxis ab, ob und welche Art Veränderungen notwendig sind, um den Lernergebnisansatz praktisch anzuwenden.

 

All dies beinhaltet Herausforderungen aber auch große Möglichkeiten im Hinblick auf die Qualität und die Attraktivität beruflicher Bildung und Trainings.

Weitere Informationen zum Lernergebnisansatz in der Praxis:

Um mehr über die praktische Anwendung und den Einfluss des Lernergebnisansatzes, auf die tägliche Praxis in der Berufsbildung zu erfahren, besuchen sie bitte unsere euVETsupport users area und werfen sie einen Blick in den euVETsupport Leitfaden zur praktischen Anwendung des Lernergebnisansatzes (Sprachversionen: EN / DE / NL / IT / ES / FR).