Das österreichische Berufsbildungssystem

In Österreich erfolgt die berufliche Erstausbildung (initial vocational education and training = IVET) hauptsächlich in berufsbildenden Schulen und durch ein starkes Lehrlingssystem. Im Bereich der weiterführenden beruflichen Aus- und Weiterbildung (Continuous Vocational Education and Training = CVET) gibt es im Transport- und Logistiksektor derzeit kein gesetzlich verankertes oder bildungspolitisch akkordiertes Vorgehen. In berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) erhalten SchülerInnen ab dem neunten Schuljahr – in Ergänzung zu einer breit angelegten Allgemeinbildung – Ausbildungen, die von unterschiedlicher Dauer sind und unterschiedliche Abschlüsse aufweisen. Die BHS und BMS haben unterschiedliche Schwerpunkte (Technik, Kunst und Handwerk, Betriebswirtschaft, Tourismus, soziale Berufe, Land- und Forstwirtschaft, Pädagogik, Sozialpädagogik usw.). Zu diesen Bildungseinrichtungen zählen unter anderem auch Berufsschulen mit Teilzeitangeboten. Organisationsform und Dauer können (mit Ausnahme des schulischen Anteils der dualen Ausbildung) sehr unterschiedlich gestaltet sein (1 - 5 Jahre):

  • Berufsbildende mittlere Schulen (BMS)
    3 oder 4 Jahre: Vollzeit ab dem 9. Schuljahr; IVET Qualifikation
    1 oder 2 Jahre: Vollzeit ab dem 9. Schuljahr; berufliche Basisausbildung
  • Berufsbildende höhere Schulen (BHS)
    5 Jahre: Vollzeit ab dem 9. Schuljahr; IVET Qualifikation
  • Zusatzkurse:
    3 Jahre: Vollzeit ab dem 9. Schuljahr nach Abschluss der BMS
  • Postsekundäre Berufsbildung (Kolleg)
    2 Jahre: Vollzeit nach Abschluss der Reifeprüfung
  • Berufsbildende mittlere und höhere Schulen für Berufstätige
    2 – 4 Jahre: oben erwähnte Schultypen in Form von Abendschulen


Ein Wechsel zwischen BMS und BHS aus dem gleichen inhaltlichen Feld ist möglich. Dort, wo sich die Curricula in einzelnen Punkten unterscheiden, sind entsprechende Prüfungen zu absolvieren. Ein besonderer Vorteil der Ausbildung an BMS und BHS ist die Möglichkeit zu einem direkten Einstieg in den Beruf oder in verschiedene Formen der beruflichen Weiterbildung.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten verzeichneten BMS und BHS einen kontinuierlichen Anstieg der SchülerInnenzahlen. Dies lässt sich nicht zuletzt mit der Ausgewogenheit der Lehrinhalte zwischen einer breiten Allgemeinbildung und berufsbezogener Theorie und Praxis (z.B. Praktika) sowie mit der großen Vielfalt von Ausbildungsschwerpunkten begründen. Seit den frühen 1990er Jahren sind insbesondere berufsbildende höhere Schulen besonders gefragt, da sie sowohl eine Reifeprüfung als auch einen Berufsbildungssabschluss anbieten.

In Österreich findet die Lehrlingsausbildung an zwei unterschiedlichen Ort statt: einerseits im Lehrbetrieb und andererseits über einen verpflichtenden Besuch einer Berufsschule. Daher wird die Lehrlingsausbildung auch als “duales Berufsausbildungssystem” oder “duales System” bezeichnet. Die Lehrlingsausbildung dauert zwei bis vier Jahre, in den meisten Fällen jedoch drei. Lehrlinge dürfen nur in den gesetzlich anerkannten Lehrberufen ausgebildet werden. Diese sind in der Lehrberufsliste (derzeit knapp 240 Einträge) verzeichnet. Das Lehrabschlusszeugnis bietet den Lehrlingen Zugang zu zwei unterschiedlichen beruflichen Laufbahnen. Zum einen ist es Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung und zum anderen ermöglicht es den Zugang zu höherer Bildung an Kollegs, Universitäten, Fachhochschulen sowie postsekundären Kursen und Schulen.

Anbieter beruflicher Weiterbildung (CVET), die nicht einer schulischen- oder hochschulischen Einrichtung angehören, sind weitgehend unabhängig und richten sich nach den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben bzw. nach den Marktbedingungen von Angebot und Nachfrage. Hinsichtlich der Qualitätssicherung im Bereich der beruflichen Weiterbildung ist die Ö-Cert Initiative zu nennen, die einen österreichweiten Qualitlätsrahmen für die gegenseitige Anerkennung von Einrichtungen der Erwachsenenbildung darstellt.