Status Quo des Nationalen Qualifikationsrahmens in Frankreich

Die Existenz des französischen nationalen Qualifikationsrahmens geht auf ein 1971 erlassenes Gesetz zurück, das die Etablierung von Berufszertifikaten in einem trilateralen Verfahren von Sozialpartnern (VertreterInnen von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen) und dem französischen Staat festlegte. In seiner derzeitigen Form ist der französische NQR Teil des Nationalen Verzeichnisses beruflicher Zertifizierung (RNCP), das von dem Nationalen Ausschuss für berufliche Zertifizierung (CNCP) geleitet wird.
Das CNCP nimmt Zertifikate in das RNCP auf, nachdem deren Kohärenz und Komplementarität sowie deren Anpassung an sich verändernde Arbeitsorganisationsformen und Prozesse genau geprüft wurden. Das zuständige CNCP-Gremium besteht aus VertreterInnen der Ministerien (z.B. Bildungsministerium, Arbeitsministerium, Gesundheitsministerium), der Sozialpartner, der Regionen sowie aus fachlichen ExpertInnen usw.. Dieses breit zusammengesetzte Spektrum gewährleistet eine ausgewogene Qualifikationszuordnung.

 

Die im RNCP verzeichneten französischen Aus- und Weiterbildungszertifikate sind nach Betätigungsfeldern klassifiziert (entsprechend der Aus- und Weiterbildungsklassifikation, wie vom statistischen Zentralamt erstellt und 1994 als Verordnung veröffentlicht (Verordnung n° 94- 522 vom 21. Juni 1994)). Zusätzlich werden Zertifikationen entsprechend einer fünfstufigen Struktur klassifiziert. Ebene I ist dabei die höchste Ebene und Ebene V die niedrigste. Anzumerken ist allerdings, dass CQPs eine Ausnahme bilden. Da diese ausschließlich von sektoralen VertreterInnen entwickelt wurden und da keine öffentliche Stelle ein Mitspracherecht bei ihrer Gestaltung hat, werden CQPs zwar auf das RNCP bezogen, aber nicht einer bestimmten Ebene des RNCP zugeordnet. Stattdessen werden sie entsprechend der vorliegenden Betätigungsfelder eingeteilt, wodurch in diesem Fall die Vergleichbarkeit von Qualifikationen erschwert wird.

 

Erwähnenswert ist ferner das Vorhandensein eines indirekten Weges zur Erlangung von Qualifikationen im französischen System der «Validation des acquis de l’expérience» (V.A.E.), das gesetzlich die teilweise oder vollständige Anerkennung einer Qualifikation auf Grundlage von bisher gemachten Berufserfahrungen gestattet. Vereinfacht gesagt: BewerberInnen, die bisherige Berufserfahrungen und die damit verbundene Vergabe einer dazugehörigen Qualifikation anerkennen lassen wollen, füllen zuerst einen Antrag aus und werden dann von einer Jury dahingehend befragt, ob die entsprechenden Fähigkeiten insgesamt oder teilweise den beschriebenen Fähigkeiten entsprechen, die zur Erlangung der Qualifikation notwendig sind. Diese spezielle, gesetzlich institutionalisierte Form der Anerkennung von Berufserfahrung ist nur möglich, wenn jemand eine Qualifikation anstrebt, die im französischen RNCP verzeichnet ist. Das innovative System hat sich in Frankreich als so erfolgreich herausgestellt, dass einige Jurys von BewerberInnen geradezu überschwemmt wurden.Der CNCP (French National Commission for Professional Certification) legte im Oktober 2010 seinen Bericht zur Bezugnahme des französischen NQR (der auch das Rahmenwerk für Logistik und Transport enthält) auf den EQR vor. Dieser Bericht bietet je nach Bereich ein „Referenzschema an, mit dem jede Ebene des französischen Rahmenwerks separat einer bestimmten Ebene des EQR zugeordnet werden kann. Keine französische Qualifikation korrespondiert mit einer der ersten zwei Ebenen des EQR, wohingegen Qualifikationen, die auf der untersten Ebene des RNCPs verzeichnet sind (Level V) der Ebene 3 des EQF entsprechen. Auf der anderen Seite wurden Qualifikationen von der höchsten Ebene (Level I) so aufgeteilt, dass einige der Ebene 7 (Masterabschlüsse) und andere der Ebene 8 (Doktorate) des EQF zugeordnet wurden.