Status Quo des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) in Italien

In Italien ist es schwierig, eine politische Beteiligung aller unterschiedlichen Verwaltungsebenen zu erreichen, da jede ihre eigenen Befugnisse hat und anstehende Entscheidungen von allen befürwortet werden müssen. Qualifikationen des allgemeinen und höheren Bildungssektors werden beispielsweise vom Staat geregelt, während Qualifikationen aus dem Berufsbildungsbereich von den Regionen verwaltet werden. Die Herausforderung für die Ausarbeitung eines nationalen Qualifikationsrahmens besteht im Vergleichen und in der Vereinheitlichung der regionalen Qualifikationen.

 

Italien gehört zu den Ländern, die sich in der Anfangsphase der NQR-Entwicklung befinden. Dies bedeutet, dass Italien keinen “umfassenden Qualifikationsrahmen” besitzt und dass “Qualifikationen bisher noch nicht in Bezug auf Lernergebnisse beschrieben wurden”.

 

Da Italien bisher nicht über eine gesicherte politische Unterstützung für einen NQR verfügt, wird es seine formalen Qualifikationen ohne einen eigenen NQR auf den EQR beziehen. Dabei werden allerdings nationale Kriterien und Methoden übernommen, um das Zusammenspiel zwischen den nationalen Qualifikationen und den EQR-Ebenen zu ermöglichen. Die Umsetzung des EQR wird vom Ministerium für Bildung, Universität und Forschung und dem Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik in Zusammenarbeit mit den Regionen, den autonomen Provinzen und den Sozialpartnern koordiniert. Dem Nationalinstitut für die Entwicklung beruflicher Bildung (ISFOL) obliegt es, nationale Herangehensweisen zu planen und die ExpertInnengruppen unter Hinzuziehung der Sozialpartner zu koordinieren. Das ISFOL leitet auch den Implementierungsprozess zu ECVET, erstellt dazu den technischen Bericht, kommuniziert mit InteressenvertreterInnen bzw. plant und verwirklicht eine nationale Qualifikationsdatenbank. Italien verwendet einen auf Lernergebnissen ausgerichteten Ansatz, in der weiteren Entwicklung kommen die EQR-Deskriptoren zum Einsatz. Das System ist durch acht EQR-Ebenen und entsprechende Deskriptoren gekennzeichnet.

 

Obwohl einzelne Reformen auf Grundlage der EQR-Grundsätze und einem lernergebnisorientierten Ansatz folgend angegangen wurden, besteht keine intensive Diskussion zu nationalen Lernergebnissen, z.B. zu der Frage, wie Qualifikationen aus unterschiedlichen Subsystemen (VET, HE, allgemeine Bildung) zu Lernergebnissen zusammengefasst und zueinander in Beziehung gesetzt werden können. Ein klares politisches Zugeständnis scheint zu fehlen. Die nächsten Schritte sind: die Einführung eines nationalen Gesetzes auf demArbeitsmarkt, die Erstellung von Prioritäten für nationale Qualifikationsvorgaben auf der Basis von Lernergebnissen und die Entwicklung eines nationalen Verzeichnisses von Qualifikationen sowie eines nationalen, öffentlichen Zertifizierungssystems.