Das Spanische Berufsbildungssystem

Das nationale Qualifikations- und Berufsbildungssystem von 2002 bietet zwei unterschiedliche Ansätze zur beruflichen Bildung in Spanien: eine vom Bildungssystem ausgehend und ein andere vom nationalen Beschäftigungssystem.

 

Berufliche Bildung aus dem Bildungssystem heraus orientiert sich in erster Linie in Richtung Erstausbildung und hat seine Wurzeln und Tradition bei den Jugendlichen nach Abschluss der Pflichtschule. Auf der anderen Seite richtet sich die berufliche Bildung vom Beschäftigungssystem an Erwachsene, die entweder in Beschäftigung stehen oder arbeitssuchend sind. Dies wird als Weiterbildung angesehen. Berufliche Bildung im Rahmen des nationalen Beschäftigungssystems wird seit 2007 auch als ein nationales Teilsystem der Beruflichen Bildung für Beschäftigung bezeichnet.

 

Staatlich-regulierte Berufsbildung

 

Die beiden oben genannten Ansätze innerhalb des Nationalen Qualifikations- und Berufsbildungssystems wurden basierend auf Kompetenzeinheiten des Nationalen Katalogs der Berufsqualifikationen (Catálogo Nacional de Cualificaciones Profesionales CNCP) eingerichtet. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass dieser Katalog kein Katalog von offiziellen Zertifikaten und Abschlüsse ist. Es ist jedoch ein Referenzwerkzeug zur Erarbeitung von formalen Qualifikationen, das ein entsprechendes Qualifikationsniveau der Bildungs- und Arbeitsmarktbehörden vergibt und zertifiziert.

 

Das CNCP umfasst im Moment 667 berufliche Qualifikationen, die im königlichen Erlass veröffentlicht und durch eine gemeinsame und umfassende Methodologie vom Nationalen Qualifikationsinstitut (INCUAL) entwickelt wurden. Jede berufliche Qualifikation besteht aus einem Set kodierter Kompetenzeinheiten entwickelt aufgrund einer gemeinsamen Methode und auf Kriterien, die die Referenz zum Katalog der Berufsbildungsabschlüsse (Catálogo de Títulos de Formación Profesional) bilden. Die Prüfungs- und Anerkennungsverfahren für Arbeitserfahrung und informelles lernen basiert auch auf den gleichen Kompetenzeinheitsdefinitionen von Qualifikationen im CNCP, da diese als ein Minimum an beruflichen Kompetenzen, die teilweise anerkannt werden können, definiert ist. In den vergangenen Jahren seit 2012 wurde dieses Verfahren zur Anerkennung von nicht-formalem und informellem Lernen aufbauend auf dem Verfahren zur Anerkennung von beruflicher Kompetenz durch Arbeitserfahrung umgesetzt. 

 

 

Berufliche Bildung im Bildungssystem

 

Neben der allgemeinen Bildung, die mit der vorschulischen Bildung (bis zum Alter von 6 Jahren) beginnt und gefolgt wird von der Grundschule, die den ersten Teil der Pflichtschule des Bildungssystems ausmacht und sechs Jahre dauert, ist besonders das erste grundlegende und obligatorische Berufsbildungsprogramm interessant, das vier Jahre umfasst, nach denen das Educación Secundaria Obligatoria Certificate (ISCED2A) erworben wird. Dieses Zertifikat ermöglicht den Zugang zur Sekundarbildung in Form des Bachillerato (ISCED3A) oder der Mittleren allgemeinen Berufsbildung (Título de Grado Medio ISCED3B), Mittlere Kunst und Design oder Mittlere Sport Berufsbildungsabschlüsse (Enseñanzas de Artes plásticas y Diseño y Enseñanzas Deportivas de Grado Medio ISCED3B) oder zum Arbeitsmarkt.

 

Schüler, die die ESO-Ziele nicht erreichen, erhalten ein Certificado de Escolaridad, das die Anzahl der teilgenommenen Jahre und die erreichten Noten beinhaltet. Für diese Schüler gibt es Erstausbildungsprogramme (PCPI), die berufliche Fertigkeiten auf Level 1 des Nationalen Qualifikationskatalogs (CNCP) vermitteln sollen. Wenn diese Schüler ihre PCPI (ISCED3C) abschließen, haben sie die Möglichkeit, bei den Arbeitsmarktbehörden eine Akkreditierung für das entsprechende Berufszertifikat auf Level 1 des RNCP zu beantragen.

 

Erstausbildungsdiplome innerhalb des Bildungssystems beinhalten Mittlere und Höhere Berufsbildungsprogramme genannt Ciclos formativos von ca. 2.000 Stunden (zwei akademische Jahre) in unterschiedlichen Sektoren oder Gebieten gebündelt in Berufsfamilien. Um Zugang zu einem mittleren Berufsbildungsdiplom (ISCED3B) zu erhalten, müssen Schüler ein Educación Secundaria Obligatoria Certificate (ISCED2A) haben. Andererseits ist es für weiterführendes berufliches Training notwendig ein Bachillerato Certificate (ISCED 3A) zu haben, das auch für den Hochschulzugang benötigt wird.

Berufsbildung im nationalen Beschäftigungssystem

 

Bis 2007 gab es zwei unterschiedliche Berufsbildungsmodalitäten: berufliche Bildung für Arbeitslose und Weiterbildung für Berufstätige. Beide Systeme wurden in ein einziges Subsystem für Berufsbildung für Beschäftigung im Bezug auf das Nationale Qualifikations- und Berufsbildungssystem integriert.

 

Das ist ein System, das auf der Kooperation von unterschiedlichen Behörden beruht und die nationale als auch regionale Ebene in Sektoren mit Tarifverträgen auf nationaler Ebene vereint und einen einzelnen Referenzrahmen für eine Übereinkunft zwischen Sozialpartnern und Regierung bildet. Dieses nationale Subsystem hat zwei Hauptarten von Berufsbildungsprogrammen:

 

(a) Programme, die an den nationalen Katalog von beruflichen Qualifikationen angeschlossen sind: Berufliche Zertifikate

 

(b) Programme, die nicht an den Nationalen Katalog von beruflichen Qualifikationen angeschlossen sind: Generelle Benutzerschulungen, spezielle Trainingsbedarfe, Spezielles Training im Bezug auf Unternehmen, ergänzendes Training für die Unterstützung der Berufsbildung

 

Berufliche Zertifikate sind die offizielle Akkreditierung im Nationalen Subsystem des beruflichen Trainings für Beschäftigung und basieren auf der Struktur der beruflichen Qualifikationen im Nationalen Katalog der Berufsqualifikationen (CNCP), die durch formale Lernprozesse, Arbeitserfahrung und sogar nicht-formales Training erworben werden können. Es wird erwartet, dass die Niveaus der Zertifikate sich auf den Nationalen Qualifikationsrahmen und entsprechend auch auf den EQR beziehen werden.

Durchlässigkeit und Offenheit des nationalen Qualifikations- und Berufsbildungssystems

Formale Qualifikationen in beiden Subsystemen sind staatlich reguliert allerdings von unterschiedlichen Ministerien und in manchen Fällen von anderen öffentlichen Behörden in autonomen Kommunen. Die Offenheit und die Flexibilität des Systems versucht, die Durchlässigkeit und die Mobilität zwischen den unterschiedlichen Berufsbildungsmöglichkeiten zu erleichtern. Im Rahmen des lebenslangen Trainings und Lernens erlaubt der Übergang von Training in Beschäftigung und umgekehrt jungen Menschen, die aus formalen Bildungsprozessen herausgefallen sind, diese fortzusetzen und abzuschließen, und Erwachsenen, das lebenslange Lernen fortzusetzen.

Anerkennung und Akkreditierung von Arbeitserfahrung

 

Der Ausbau der Anerkennung von nicht-formalem und informellem Lernen kann auch als eine Maßnahme angesehen werden, um Lernende in der beruflichen Bildung zu motivieren. Nach der Veröffentlichung des Königlichen Erlasses 1224/2009 zur Anerkennung von Fertigkeiten, die durch Arbeitserfahrung erworben wurden, haben alle autonomen Kommunen durch ihre Bildungs- und Beschäftigungsabteilungen Aufrufe für die Zeit von 2010 bis 2011 veröffentlichen lassen.

 

Es gab 41 öffentliche Aufrufe, die konkrete Anerkennungsanforderungen spezifiziert haben, hauptsächlich in den Berufsfamilien Gesundheit und Soziales. Bisher haben 3.108 Personen ihre Anerkennung mit einem beruflichen Zertifikat oder in Form von Kompetenzeinheiten (Teilanerkennung) erhalten.

Duales Training

 

Ein neues duales Modell von Berufsbildungsprogrammen – ausgehend vom Bildungs- als auch vom Beschäftigungssystem – wird zusammen mit dem existierenden Erstausbildungsmodell entwickelt. Es ist dessen Ziel, den Zugang von Schülern zur Berufsbildung zu erhöhen und den Übergang in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Verschiedene Fördermöglichkeiten wie der Trainings- und Ausbildungsvertrag und andere gemischte Ko-Förderungssysteme zwischen Behörden und Unternehmen werden zur Verfügung gestellt, um das Arbeiten während dem Lernen möglich zu machen, und eine Anerkennung basierend auf dem Nationalen Katalog der beruflichen Qualifikationen zu erhalten.

 

Einige autonome Kommunen haben bereits duale Ausbildungsprojekte im Bezug auf die Erstausbildung umgesetzt, in denen Schüler im Gegensatz zum derzeitigen System in der Lage sind Arbeitserfahrung an einem realen Arbeitsplatz bereits während der Ausbildung und nicht erst am Ende und basierend auf einem Stipendiumsgehalt zu erhalten.